Der im 13. Jh. gebaute Kreuzgang des Rigaer Doms ist ein herausragendes Meisterstück der frühen Gotik im Baltikum. Der 118 m lange Dreiflügelgang ist mit 29 Kreuzgewölben bedeckt und wird von einer Bogenreihe mit Kalksteinsäulen an der Hofseite umfasst.

Ursprünglich verband der Kreuzgang den Rigaer Dom – die Bischofskirche mit dem Kloster, dem Sitz des höchsten geistlichen Rates – mit dem Domkapitel, der sich im Ost- und Südflügel befand. Im Westflügel befand sich die im Jahre 1211 gegründete Domschule. Im 16. Jh., nach der Reformation, wurde das Kloster geschlossen und seine Räume wirtschaftlich genutzt. 1778 wurde über dem Ostkreuzgang der  Säulensaal für die Stadtbibliothek errichtet, in den Jahren 1888 – 1889 aber wurden über dem Süd- und Westkreuzgang Räume für das Dommuseum und das Stadtarchiv geschaffen.

Der Kreuzgang ist mehrmals restauriert worden. Über den Arkaden wurden die Wappen der Familien, der Vereine und Körperschaften angebracht, die Ende des 19. Jh. Geld zur Wiederherstellung des Kreuzgangs und des Gartens spendeten. Die letzte Konservierung der Steindekore des Kreuzgangs sowie eine große archäologische Untersuchung im Domgarten wurde in den 80er und 90er Jahren des 20. Jh. durchgeführt. Im Laufe der Forschungen wurden wichtige Zeugnisse der Baugeschichte des Doms, der Tätigkeit der Domschule, des Friedhofs im Innenhof und mittelalterlicher Beerdigungstraditionen gefunden.

Im Kreuzgang sind mehrere Sammlungen des Rigaer Museums für Stadtgeschichte und Schifffahrt ausgestellt – Kanonen samt Zubehör, Grabsteinplatten, Fragmente der Steindekore und Schmiedearbeiten zerstörter Häuser der Stadt, ein Gipsmodell des Denkmals Peter I., Funde archäologischer Ausgrabungen sowie das bei Ausgrabungen im Jahr 2000 gefundene vermutliche Götzenbild der Liven, der sog. Steinkopf von Salaspils – ein Unikum in der Praxis der lettischen Archäologen.

An der Südwand des Doms befindet sich die Kopie der im Jahre 1897 enthüllten  Statue des Bischofs Albert (Bildhauer Karl Bernewitz, Architekt Wilhelm Neumann), des Gründers der Stadt Riga, – eine Gabe der Deutschbalten zur 800-Jahrfeier von Riga.